Darf man Hühner im Garten halten? – Gesetzliche Fragen

tree, tribe, forest

Ja, die Bürokratie macht auch vor dem Landleben nicht Halt. Jedenfalls dann nicht, wenn Du Hühner in Deinem Garten halten möchtest. Gerade, wenn Du noch dazu in der Stadt lebst, ist es gut, wenn Du Dich über die folgenden Punkte näher informierst:

Ist Hühnerhaltung in Wohngebieten erlaubt?

Hühner gelten als Kleintiere und daher ist ihre Haltung in Wohngebieten entgegen der oft vorherrschenden Meinung grundsätzlich erst einmal erlaubt.

Allerdings musst Du hierbei einige Einschränkungen beachten:

  • Es dürfen höchstens 20 Hühner inklusive eines Hahnes gehalten werden.
  • Es muss eine artgerechte Haltung gewährleistet sein.
  • Es gilt das Gebot der Rücksichtnahme (Stichwort: Lärm- und Geruchsbelästigung)
  • Möchtest Du einen großen Hühnerstall selbst bauen, gelten möglicherweise bestimmte baurechtliche Vorschriften.

Die Anzahl der Hühner in Deinem privaten Garten ist zwar mit maximal 20 Hühnern angegeben, jedoch zählt hier immer der Einzelfall. Denn die Zahl Deiner Hühner wird sich nach der artgerechten Haltung richten, die in Deinem Garten möglich ist.

So fällt unter anderem unter die artgerechte Haltung auch eine ausreichend große Auslauffläche, die pro Huhn über den Daumen gepeilt mindestens 10 Quadratmeter betragen sollte. Der Platzbedarf im Hühnerstall wird mit ca. 5 Hühnern pro Quadratmeter angegeben.

In einem kleinen Stadtgarten wirst Du daher also niemals 20 Hühner halten können.

Zu einer artgerechten Hühnerhaltung gehört darüber hinaus, dass:

  • Deine Hühner artgemäß trinken, fressen, ein Staubbad nehmen, sich ausruhen und im Nest liegen können.
  • Deinen Hühnern jederzeit ausreichend Trinkwasser zur Verfügung steht.
  • der Hühnerstall lausreichend belüftet ist.

Achtung beim Hahn

Beim Thema Hahn wird die ganze Angelegenheit schon etwas heikler. Zwar ist das Halten eines Hahnes in Wohngebieten erlaubt, jedoch darf er nur zu bestimmten Uhrzeiten krähen, die von den Gerichten unterschiedlich ausgeurteilt sind. Da Hähne aber Lebewesen und daher nicht programmierbar sind, werden sie munter nach Lust und Laune krähen – oftmals zum Ärger der Nachbarschaft.

Gerade in Wohngebieten mit enger Bebauung, würde ich auf jeden Fall davon abraten, einen Hahn in Deinem Stadtgarten halten zu wollen. Denn auch, wenn die Nachbarn Deinen Hühnerplänen erst einmal offen gegenüberstehen, so kann sich das Blatt schnell wenden, wenn Dein Hahn zu Hochtouren aufläuft. Hierüber ist leider schon so manch ein Gerichtsstreit entbrannt.

Müssen Hühner angemeldet werden?

Auch als Hobby-Hühnerhalter musst Du Deine Tiere beim zuständigen Veterinäramt und der Tierseuchenkasse anmelden und das schon ab dem ersten Huhn. Welches Amt für Deinen Wohnort zuständig ist, kannst Du problemlos im Internet nachlesen.

Die Anmeldung beim Veterinäramt erfolgt unter Angabe:

  • des Namens des Hühnerhalters
  • der Anschrift des Hühnerhalters
  • der Art und Anzahl der durchschnittlich im Jahr gehaltenen Hühner.

Bei der Tierseuchenkasse musst Du einmal jährlich am 03.01. schriftlich den Bestand Deiner Hühner melden. Dies kann mit geringen Kosten verbunden sein. Wenn Du Glück hast, ist dies in Deinem Bundesland für einen sehr kleinen Hühnerbestand kostenlos. In Niedersachsen wird bei drei Hühnern eine Jahresgebühr von 12,50 Euro fällig. Ich habe meine Hühner zunächst bei der Tierseuchenkasse angemeldet und danach automatisch per Post vom zuständigen Veterinäramt ein Anmeldeformular zum Ausfüllen erhalten.

Müssen Hühner geimpft werden?

Ja, denn jedes Huhn in Deutschland unterliegt der Impfpflicht. Dabei ist zu beachten, dass auch Hühner in Hobbyhaltung regelmäßig geimpft werden müssen, obgleich die Ansteckungsgefahr im heimischen Garten sehr gering ist.

Gut zu wissen: Die Impfungen bei Hühnern erfolgen nicht wie beim Menschen oder bei Hunden, Katzen und Kaninchen mit der Spritze, sondern über das Trinkwasser. Der Impfstoff wird einfach in das Trinkwasser gegeben. Wenn die Hühner davon trinken, sind sie geimpft. Sehr praktisch!

Per Gesetz gibt es nur eine vorgeschriebene Pflichtimpfung, und zwar die, gegen die Newcastle Disease, auch bekannt als atypische Geflügelpest. Der Hühnerhalter hat zwar offiziell einen Nachweis über regelmäßig durchgeführten Impfungen zu führen, doch wird das bei uns Hobby-Hühnerhaltern mit einem sehr geringen Hühnerbestand so gut wie nie kontrolliert. Sollen die Hühner jedoch auf Geflügelschauen ausgestellt werden, so ist ein entsprechender Impfnachweis Grundvoraussetzung. Anderenfalls ist die Teilnahme ausgeschlossen.

Die Newcastle-Pflichtimpfung

Da die Newcastle Disease-Krankheit hochansteckend (aber nur für Tiere) ist, sollte die Newcastle-Impfung für jeden Hühnerhalter selbstverständlich sein. Denn bei Ausbruch der Krankheit ist schnell mal Dein gesamter Hühnerbestand in Gefahr. Die Sterblichkeitsrate ist hoch und kann Deine Tiere innerhalb weniger Tage dahinraffen. Übrigens: Die Newcastle Disease ist nicht gefährlich für den Menschen!

Das Heimtückische an dem Newcastle-Virus ist jedoch, dass er sich nicht nur über den direkten Kontakt mit infizierten Hühnern, deren Exkremente und Körperflüssigkeiten, sondern auch indirekt über die Luft verbreitet. Selbst über Frisch- und Gefrierfleisch sowie Eierprodukte kann sich der Virus sogar noch bis zu mehreren Jahren verbreiten. Auch wir Menschen können den Virus über unsere Kleidung und Schuhe weitertragen.

Beim Nachweis der Newcastle-Krankheit wird das Veterinäramt unverzüglich den betroffenen Hof oder Garten nicht nur absperren, sondern sogleich ein weiträumiges Sperrgebiet errichten. Aus den vorstehenden Gründen kannst Du vielleicht nachvollziehen, warum diese Impfung per Gesetz vorgeschrieben ist.

Die Immunisierung Deiner Tiere erfolgt dabei zunächst über die Grundimpfung und ihre anschließende vierteljährliche Auffrischungsimpfung. Die Grundimmunisierung beginnt bei Küken bereits im Alter von 14 Tagen und wird in der 7. sowie in der 21. Woche wiederholt. Danach ist die Grundimmunisierung abgeschlossen und es müssen nur noch Auffrischungsimpfungen im Abstand von drei Monaten vorgenommen werden. Dieser Turnus sollte aber möglichst eingehalten werden, um einen 100 %igen Impfschutz zu gewährleisten.

Woher bekomme ich den Impfstoff?

Den entsprechenden Impfstoff bekommst Du natürlich bei Deinem Tierarzt. Dies ist aber nicht empfehlenswert, da er hier viel zu teuer ist. Das kommt daher, dass der Tierarzt den Impfstoff nur in sehr großen Mengen (für 1000 Hühner) kaufen kann und der Impfstoff nicht lange lagerbar ist. Deshalb müsstest Du für eine Impfung eine große Menge Impfstoff abnehmen und auch bezahlen, die Du aber nur zu einem sehr geringen Anteil verwenden kannst.

Die deutlich bessere Alternative liegt im Geflügelzüchterverein in Deiner Umgebung. Hier gibt es spezielle Impftage, an denen jedes Vereinsmitglied entweder umsonst oder für einen geringen Unkostenbeitrag (ca. 2 Euro) eine kleine Dosis Impfstoff abholen kann. Manche Geflügelzüchtervereine bieten diesen Service auch für Nichtmitglieder an. Ich würde Dir aber dennoch empfehlen, einem Geflügelzüchterverein beizutreten, weil Du hier auf Gleichgesinnte triffst, die Dir den ein oder anderen Tipp geben können.

Praxistipps für die Impfungen

Wie ich Dir oben schon geschildert habe, erfolgen die Newcastle-Impfungen über das Trinkwasser. Damit ein ausreichender Impfschutz erreicht werden kann, ist es gut, wenn Du die folgenden Punkte beachtest:

  • Die Hühner müssen zum Zeitpunkt der Impfung gesund sein. Schwache oder kranke Tiere sollten niemals geimpft werden.
  • Der Impfstoff ist bis zu seiner Verwertung kühl und dunkel zu verwahren.
  • Der Impfstoff sollte nur in frischem Trinkwasser verabreicht werden.
  • Damit der Impfstoff möglichst nach spätestens zwei Stunden von Deinen Hühnern aufgebraucht ist, sollte ihnen vorher für einige Stunden das Trinkwasser entzogen werden.

WICHTIG: Alle Infos dienen ausschließlich dem unverbindlichen Informationszweck und sind keine Rechtsberatung im eigentlichen Sinne. Ich bin kein Anwalt und kann auch keine rechtsgültigen Aussagen treffen. Insofern verstehen sich alle angebotenen Informationen ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.