Horch was kräht vom Garten rein

Weißer Zwergseidenhahn

Ich war so glücklich mit meinen drei Hennen. Alles lief reibungslos und vor allem: Alle vertrugen sich auf Anhieb. Besser konnte es gar nicht laufen. Doch was war das? Als ich eines schönen Morgens meine Tiere im Garten versorgte vernahm ich das:

Hast Du das auch gehört?

Klang das nicht gerade irgendwie nach einem ersten Krähversuch?

NEIN, das hatte ich mir sicher nur eingebildet. Außerdem wusste ich zu dem Zeitpunkt auch gar nicht, wie sich das Krähen eines Junghahns anhört. Also beschloss ich, dass ich lieber nichts dergleichen gehört hatte.

Wer war das?

Aber wer von meinen drei Damen hatte denn nun dieses merkwürdige Geräusch gemacht?

Hilde konnte es nicht sein, denn die legte bereits fleißig Eier. Emma (ca. vier Monate alt) schied auch aus, da der Züchter bei Abgabe mit Gewissheit sagen konnte, dass sie eine Henne ist.

Blieb nur noch die ebenfalls etwa vier Monate alte Paula. Die hatte ich von meiner Hühner-Nachbarin bekommen mit dem Hinweis, dass es sich bei ihr sehr wahrscheinlich um eine Henne handeln würde.

Mit Gewissheit konnte sie das aber nicht sagen. Paula war auch diejenige, die am frechsten von allen war – eine richtige kleine Draufgängerin.

Danach passierte erstmal nichts. Wusste ich’s doch: Alles nur falscher Alarm. Doch dann hörte ich es wieder. Durchs geöffnete Fenster im Haus drang heiseres Kikieee vom Garten her. Ich ließ mich nicht aus der Ruhe bringen und beharrte weiterhin auf meinem Standpunkt, dass auch Hennen durchaus solche Laute von sich geben könnten.

Paula oder Paul?

Nun, das anfänglich noch heisere Kikiee steigerte sich fast täglich, bis schließlich hin zu einem ausgewachsenen Kikerikieee! Ich musste der Wahrheit also tief ins Auge blicken: Unsere Paula war zum Paul mutiert!

Was nun? Ich hatte mir also versehentlich einen Hahn in den Garten geholt. So ein Pech. Obwohl: Er war soooo süß!

In Ermangelung eines richtigen Misthaufens, kletterte er am liebsten auf den kleinen Tisch im Auslauf, um von dort aus seine Stimmgewalt zu präsentieren.

Was sollte ich jetzt nur tun? Paul musste weg, das war gar keine Frage, aber wann? Eigentlich war ich noch nicht bereit, unseren Paul so schnell wieder abzugeben. Daher beschloss ich, ihm noch ein paar Wochen Zeit zu geben. Vielleicht krähte er ja in Zukunft nicht so oft.

Netter Versuch! Ging total in die Hose, weil Paul sich zu einem waschechten “Pavarotti“ entwickelte und minutenlange Arien schmetterte – sehr zum Leidwesen einiger Nachbarn. Ich beschloss daher, in die Offensive zu gehen.

Auf gute Nachbarschaft

Das Motto lautete also als erstes: Die Nachbarschaft besänftigen. Ich suchte das Gespräch mit den umliegenden Nachbarn und erklärte meine Lage. Die Stimmung entspannte sich, als ich in Aussicht stellte, dass wir Paul alsbald abgeben werden. Von nun an zählten einige Nachbarn die Tage…

Es gab aber auch Stimmen in der Nachbarschaft, die sich durchaus an dem Krähen erfreuten und traurig waren, bei dem Gedanken, dass es bald wieder ruhiger in unserem Garten werden würde.

Wohin mit unserem Paul?

Es ist wirklich kein leichtes Unterfangen, einen Hahn wieder los zu werden. Außerdem wollte ich natürlich, dass Paul ein gutes, neues Zuhause findet. Ich setzte mich mit dem Hühnerzüchter meines Vertrauens in Verbindung und klagte ihm mein Leid.

Glücklicherweise besitzt er nicht nur ein großes Herz, sondern auch einen großen Garten. Ich war so erleichtert, als er sich bereit erklärte, Paul erstmal zu sich zu nehmen, um ihn anschließend weiterzuvermitteln.

Paul lebt heute glücklich und zufrieden auf einem großen Grundstück mit vielen anderen Tieren gleich in der Nachbarschaft des Hühnerzüchters und ist auch bereits Vater geworden.

Da waren es nur noch zwei

Jetzt hatten wir nur noch zwei Hennen. Das sollte aber nicht so bleiben. Also machte ich mich wieder auf die Suche nach einer neuen Paula. Wie es uns dabei erging und und ob wir tatsächlich endlich eine neue Paula finden sollten, erfährst Du im nächsten Beitrag meiner Kolumne.

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